Julia Müller

Von München zum NCAA-Skifahren: Wie Julia Müller in New Hampshire ihren Gipfel fand

16. April 2026|3 Min. Lesezeit|
Ben Zechmeister

Julia Müller, Freshman an der Plymouth State University, hat die eher individualistische Rennkultur Europas gegen den energiegeladenen Teamgeist der USA eingetauscht. Nach einem erfolgreichen ersten Semester erzählte uns Julia, wie sie die vertrauten Alpenhänge gegen die rasante Welt des NCAA-Skisports tauschte – und warum das die beste Entscheidung ihres Lebens war.

Teamspirit der anderen Art

Skifahren ist oft eher ein einsamer Sport. In Europa war Julia es gewohnt, sich primär auf ihre eigenen Zeiten zu konzentrieren. An der Plymouth State traf sie plötzlich auf einen riesiges Team mit einem Kader von 22 Athleten – eine echte Umstellung und ein wahrer Kulturclash.

„Hier ist es völlig anders, viel mehr ein Mannschaftssport. Klar zählen die Einzelergebnisse, aber am Ende kämpfen wir alle füreinander. Wir haben Meetings um über Teamgeist zu sprechen, feuern uns beim Training gegenseitig an und funktionieren als Einheit. Das gefällt mir viel besser als sich nur auf sich selbst zu konzentrieren, wie ich es von zu Hause kannte.“

Plymouth State University ski team in front of a white wall in green skiing racing suits

Balance zwischen Piste und Hörsaal

Was Julia am meisten überraschte: Wie gut sich der Alltag als „Student-Athlete“ meistern lässt, wenn das System einen aktiv unterstützt. An der Plymouth State ist ihr Zeitplan eng, aber perfekt durchorganisiert:

  • Auf dem Schnee: Training von Montag bis Donnerstag in einem Skigebiet, das nur 30 Minuten entfernt liegt.
  • Im Gym: Kraft- und Konditionseinheiten, während der Freitag ganz im Zeichen von Regeneration und Stretching steht.
  • Im Studium: Kleine Kurse mit maximal 20 Personen.

„Das Verhältnis zu den Professoren ist hier sehr persönlich“, erklärt Julia. „Man ist keine Nummer. Zu Hause sitzt man oft mit 100 anderen im Hörsaal. Hier habe ich einen akademischen Berater, der mir geholfen hat, meine Kurse exakt um meine Trainingszeiten herum zu planen. So lässt sich Studium und Leistungssport wirklich vereinbaren.“

Über den Sport hinauswachsen

Der Sprung über den Großen Teich war für Julia mehr als nur ein sportliches Abenteuer – es war eine Reise zu sich selbst. Sie gibt offen zu, dass es anfänglich einschüchernd war, völlig auf sich allein gestellt in einem fremden Land zu sein. Doch genau das hat sie weitergebracht.

„Ich bin viel selbständiger geworden“, sagt sie. „Man muss alles selbst organisieren. Aber die Community hier fängt einen auf. 90 % meines Teams sind internationale Studenten, wir sitzen also alle im selben Boot. Ob bei Team-Trips nach Boston oder Casino-Abenden auf dem Campus – es ist immer was los.“

College skier Julia Müller during a race

Der Blick in die Zukunft

Julia beendet momentan ihr erstes Jahr und plant bereits den nächsten Schritt: einen möglichen Wechsel an die Montana State University, um dort Architektur oder Environmental Design zu studieren.

Ihr Rat an junge Talente in Europa, die noch zögern?

Es ist eine riesige Chance. Zu Hause gibt es einfach nichts Vergleichbares. Die Kombination aus Studium und Sport ist hier perfekt gelöst. Kleine Klassen, top Training… lasst die Zweifel beiseite und wagt es einfach. Es ist viel besser, als ich es mir je erträumt hätte.

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