
Brooklyn Dreams: Liene Vientiesas Weg vom Schwimmbecken in Lettland zur Long Island University in New York
Den Atlantik zu überqueren ist das eine, aber für Liene Vientiesa begann die eigentliche Reise als sie den Beckenrand in Brooklyn betrat. Für die lettische Schwimmerin war der Wechsel von den ruhigen Bahnen Europas in die energiegeladene Welt der Long Island University (LIU) mehr als nur ein Umzug – es hat ihre Sicht auf ihren Sport verändert.
Vom Einzelkämpfer zum Team-Powerhaus
In Europa ist Schwimmen oft ein Einzelsport. In der NCAA lernte Liene jedoch schnell, dass jeder einzelne Kraulzug auch für die Person auf der Bahn neben ihr zählt.
„Zu Hause ist Schwimmen eher individuell. Hier ist es ein Teamsport“, erklärt Liene. „Ich erinnere mich noch an meinen ersten Wettkampf. Ich stand auf dem Startblock und konnte nicht mal den Pfiff hören, weil die Stimmung so laut war. Ich habe noch nie so viele Menschen erlebt, die mich angefeuert haben – sogar Leute, die mich noch gar nicht kannten. Das war ein großartiges Gefühl.“
Lienes Einfluss war sofort spürbar. Als Sophomore (Studentin im zweiten Jahr) ist sie zu einer tragenden Säule im Kader der „Sharks“ geworden, spezialisiert auf 50m Freistil, 100m Freistil und 100m Schmetterling. Einer ihrer stolzesten Momente war ein zweiter Platz in der Staffel bei den Mid-Season-Meisterschaften – gemeinsam mit zwei ihrer Mitbewohnerinnen.

Hürden überwinden: Das Support-System
Erfolg verläuft nicht immer geradlinig. Im vergangenen Jahr musste Liene eine harte Phase durchstehen: eine Doppelverletzung – erst die Schulter, dann das Knie. In vielen europäischen Vereinen fühlen sich Athleten während der Reha oft isoliert, doch Liene empfand das US-amerikanische Unterstützungssystem als „riesig“.
„Ich musste anderthalb Monate lang mit dem Training aussetzen, aber der Support hier hat es so viel einfacher gemacht. Wir haben rund um die Uhr Physiotherapeuten an unserer Seite, die uns behandeln und beraten. Auch die Trainer waren unglaublich verständnisvoll. Es ist ein professionelles Umfeld, das einem wirklich hilft, schneller wieder auf den Startblock zurückzukehren.“
Leben im Concrete Jungle
Das Leben in Brooklyn und das Studium auf dem urbanen Campus der LIU bilden einen extremen Kontrast zum ruhigen Lettland (1,8 Millionen Einwohner) im Vergleich zu den 8 Millionen Menschen in New York City. Trotz der Größe der Stadt hat Liene schnell Anschluss gefunden – auch dank ihrer WG mit anderen internationalen Studentinnen aus Griechenland und Ungarn.
Lienes Entscheidung für ein Sportwissenschaften-Studium kommt von ihrer Faszination für Anatomie und die Grenzen der menschlichen Leistungsfähigkeit.
„Die Ressourcen in New York sind im Vergleich zu meiner Heimat überwältigend“, erklärt sie. „Das Studium auf Englisch und der Zugang zu modernsten Forschungseinrichtungen sind ein entscheidender Vorteil für meine Zukunft als Physiotherapeutin oder Trainerin.“
Abseits von Schwimmbecken und Labor taucht Liene voll in das New Yorker Lebensgefühl ein. Ihr persönliches Highlight ist ein nächtliches Ritual: die Fahrt mit der Q-Train über die Manhattan Bridge. „Dieser Moment, wenn man aus dem Zugfenster auf das glitzernde Financial District blickt... das ist für mich der schönste Ort der Stadt.“

Wachstum über den Beckenrand hinaus
Die bedeutendste Veränderung bemerkte Liene nicht bei ihrer Rollwende, sondern bei ihrer Persönlichkeit.
„Ich bin so viel unabhängiger geworden. Ich habe gelernt, Herausforderungen allein zu meistern und wie weit ich tatsächlich aus meiner Komfortzone herausgehen kann. Ich bin sozial viel offener geworden. In Lettland habe ich nie um Hilfe gebeten, aber hier setzen alle alles daran, dir zu helfen – man muss einfach nur fragen.“
Ein Rat an die nächste Generation
Lienes Erfolg hat bereits eine Welle weiterer baltischer Athleten inspiriert, ihrem Beispiel zu folgen. Ihr Rat an sie ist klar:
- Hab keine Angst zu fragen: Die Menschen in den USA wollen, dass du Erfolg hast.
- Gewöhn dich an die Yards: Die Umstellung von 50-Meter-Bahnen auf die kürzeren Yard-Becken dauert kurz, aber du wirst das hohe Tempo der Kurzbahnrennen lieben lernen.
- Mach es einfach: „Es kann beängstigend sein, und es wird beängstigend sein, aber es lohnt sich so sehr. Das war die beste Entscheidung meines Lebens.“ – Liene
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